Beim Gluon-Meetup im Juni 2026 ging es unter anderem um den geplanten Wechsel auf OpenWrt 25.12. Hinter dem zunächst unscheinbaren Tagesordnungspunkt »Discussion about the switch to openwrt-25.12« steckt eine Änderung, die für Meshes mit älteren Routern in den Freifunk-Communities relativ kurzfristig erhebliche Auswirkungen haben kann, nein, wird.
Die Gluon-Entwickler haben dabei zwei wichtige Ziele festgehalten: Änderungen an den WLAN-Parametern sollen über mehrere Releases gestreckt werden, und die Mesh-Kompatibilität soll jeweils lange genug erhalten bleiben, dass Communities beim Aktualisieren eine Major-Version überspringen können. Gleichzeitig wurde ausdrücklich festgestellt, dass eine sofortige Umsetzung der geplanten Änderung die WLAN-Mesh-Kompatibilität mit Gluon v2023.2.x und älter brechen würde.
Für aktuelle und weiterhin unterstützte Router ist das vor allem eine Frage der Updateplanung. Für Router, für die es schon seit Jahren keine neuen Gluon-Images mehr gibt, sieht die Sache anders aus: Sie können schlicht nicht mehr in das neue Kompatibilitätsfenster wechseln, sie werden auf der Funkschnittstelle inkompatibel.
»Backwards compatibility for at least 2 releases«
Im Protokoll des Gluon-Meetups heißt es:
we want to maintain backwards compatibility for at least 2 releases to allow communities to skip one release while updating
Gemeint ist damit keine unbegrenzte Rückwärtskompatibilität zu allen jemals erschienenen Gluon-Versionen.
Vielmehr soll eine Community nicht gezwungen sein, jeden einzelnen Major-Release sofort auf jeden Router zu installieren. Ein Netz soll über mehrere Firmwaregenerationen hinweg migriert werden können, ohne dass neue und noch nicht aktualisierte Knoten sofort aufhören, miteinander per WLAN zu meshen. Das ist im Freifunk-Alltag wichtig: Nicht jeder Knoten ist ständig online, nicht jedes Gerät erreicht den Autoupdater sofort, und größere Communities benötigen Zeit für Tests und gestaffelte Rollouts.
Im inzwischen weiter konkretisierten Migrationsplan werden deshalb mehrere Generationen als Übergangsfenster vorgesehen. Gluon v2025.1.x und v2026.1.x behalten noch die Mechanismen, die ältere Basic-Rate-Konfigurationen tolerieren.
Worum geht es technisch?
Das Problem liegt eine Ebene unter batman-adv, nämlich bei der eigentlichen 802.11s-WLAN-Verbindung zwischen zwei Mesh-Knoten.
Damit zwei WLAN-Geräte miteinander eine Mesh-Verbindung aufbauen können, müssen bestimmte Funkparameter zueinander passen. Einer davon sind die sogenannten Basic Rates. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um Datenraten, von denen ein WLAN-Teilnehmer ausgehen darf, dass alle Teilnehmer des Netzes sie verstehen.
Historische Gluon-Versionen verwendeten hier unter anderem die alte 802.11b-Rate von 1 Mbit/s.
Mit moderner WLAN-Hardware wird diese Altlast problematisch. In der Diskussion zum OpenWrt-25.12-Wechsel wird insbesondere MediaTek-Hardware erwähnt: Bei bestimmten Treibern orientiert sich die Übertragungsrate für Multicast-Frames und Beacons an der Basic Rate. Bleibt dort 1 Mbit/s eingestellt, kann der Rate Controller für Non-Unicast-Traffic auf dieser extrem niedrigen Rate hängenbleiben. Das führt zu entsprechend schlechter Performance.
Die technisch saubere Lösung besteht daher darin, diese alte 1-Mbit/s-Basic-Rate nicht dauerhaft weiterzuführen.
Nur: Damit würde man Geräte mit älteren Gluon-Versionen aussperren.
Der aktuelle Kompatibilitäts-Trick
Gluon v2025.1 enthält deshalb bereits einen Übergangsmechanismus.
Gegenüber älteren Mesh-Nachbarn wird weiterhin so getan, als sei 1 Mbit/s eine Basic Rate, auch wenn intern bereits mit höheren Raten gearbeitet wird. Gleichzeitig ignorieren die gepatchten neueren Versionen bestimmte Basic-Rate-Angaben eines Nachbarknotens, die sie normalerweise als inkompatibel bewerten würden.
Genau dadurch entsteht eine Brücke zwischen den Generationen.
Das eigentliche Problem sind Router, die keine Updates mehr bekommen — 4/32- und 8/64-Geräte haben nun ein Enddatum bei der Nutzbarkeit
Für aktuell unterstützte Hardware funktioniert dieses Konzept gut.
Ein Router auf einer alten Version bekommt zunächst eine Brückenversion. Später bekommt er die nächste Firmwaregeneration und wandert damit zusammen mit dem restlichen Netz in das nächste Kompatibilitätsfenster.
Aber was passiert mit einem Router, dessen letzte mögliche Gluon-Version Jahre zurückliegt?
Gluon v2022.1 entfernte beispielsweise eine lange Liste älterer Geräte, weil deren Flash beziehungsweise RAM für die damalige Gluon-Version nicht mehr ausreichte. Darunter befinden sich viele früher extrem verbreitete Freifunk-Router:
- TP-Link TL-WR740, TL-WR741, TL-WR940, TL-WR941, TL-WR1043 v1, fast alle TL-WR841-Versionen
- D-Link DIR-615 in mehreren Hardwareversionen
- Linksys WRT160NL
- diverse ältere Ubiquiti-Geräte wie NanoStation XM, PicoStation oder Bullet.
Diese Geräte können die heute vorgesehenen Brückenversionen gar nicht mehr erreichen — sie hängen auf Firmware 1.4/Gluon v2021.1-Basis fest.
Auch in späteren Gluon-Releases wurden und werden weitere Geräte oder Targets entfernt (werden), eine nicht abschließende Liste beinhaltet z. B. folgende Geräte, die bei uns auf Firmware 1.9/Gluon v2023.1 oder Firmware 2.1/Gluon v2025.1 ›hängenbleiben‹ werden:
- AVM FRITZ!WLAN Repeater 1750E
- TP-Link Archer C2, Archer C20, Archer C20i, Archer C25, Archer C50, Archer C58, Archer C6, Archer C60, CPE210, CPE510, TL-WR902AC, WBS210, WBS510
- Netgear R6020
Der Punkt ist deshalb nicht eine bestimmte Modellreihe oder ein bestimmtes Release, sondern grundsätzlich:
Ein Router, dessen letzter unterstützter Firmwarestand dauerhaft älter ist als die aktuelle Gluon-Version, kann bei der Migration absehbar nicht mehr mitgenommen werden.
Dass dieses Problem den Entwicklern bewusst ist, zeigt auch die Diskussion im Pull Request. Dort wird explizit darauf hingewiesen, dass alte 4/32-MByte-Geräte, die auf einem alten Gluon festhängen, durch die neue Basic Rate inkompatibel werden.
Warum werden solche Meshes auseinanderbrechen?
Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass batman-adv das Problem nicht lösen kann.
batman-adv baut sein Mesh auf bereits vorhandenen Layer-2-Verbindungen auf. Bei einem WLAN-Mesh muss also zunächst die 802.11s-Verbindung zwischen zwei Routern funktionieren.
Wenn ein neuer Router und ein alter Router wegen ihrer unterschiedlichen WLAN-Basic-Rates keine gemeinsame 802.11s-Nachbarschaft mehr bilden können, sieht batman-adv diesen Nachbarn überhaupt nicht mehr.
Das kann unterschiedliche Folgen haben. Ist der alte Router lediglich ein Endpunkt, verschwindet nur dieser eine Knoten aus dem Funkmesh, weil er seine Funkverbindung ins Funkmesh dauerhaft verliert.
Steht der alte Router jedoch an einem strategisch wichtigen Punkt und verbindet zwei Gruppen von Routern miteinander, verschwindet mit diesem Gerät zugleich die Verbindung zwischen diesen Gruppen: Aus einem zusammenhängenden Mesh können so mehrere voneinander getrennte Mesh-Inseln werden.
Nicht morgen – aber absehbar
Die gute Nachricht ist: Der Wechsel auf OpenWrt 25.12 – genauer: die dadurch ausgelöste Inkompatibilität zu alten Knoten – soll ausdrücklich nicht als überraschender harter Schnitt erfolgen.
Das Gluon-Team hat sich gerade wegen der Auswirkungen auf bestehende Knoten und Funkmeshes in den Communities für eine mehrstufige Migration entschieden. Der dokumentierte Plan sieht vor, die Kompatibilitätsmechanismen über mehrere Major-Upgrades hinweg vorzuhalten.
Die schlechte Nachricht lautet jedoch: Für Hardware, die keine aktuelle Firmware mehr bekommen kann, verschiebt diese Strategie das Problem lediglich nach hinten.
Ein unterstützter Router wandert mit dem Kompatibilitätsfenster mit.
Ein nicht mehr unterstützter Router bleibt stehen.
Und irgendwann liegen beide auf gegenüberliegenden Seiten der Kompatibilitätsgrenze.
Was Knotenbetreiber und Communities jetzt tun sollten
Es besteht kein Grund, mit dem nächsten Firmwareupgrade hektisch sämtliche älteren Router abzubauen.
Aber es ist sinnvoll, bereits heute zu untersuchen, welche Altgeräte für die Mesh-Topologie relevant und entsprechend kurzfristig durch modernere, langfristig unterstützte, Hardware zu ersetzen sind.
Ein alter Router, der nur lokal ein paar Clients versorgt und selbst per Kabel angebunden ist, ist deutlich weniger kritisch als ein zehn Jahre alter WR841, der Teil eines Funkmeshes ist. Dieser wird binnen weniger Firmwareupdates ›aus dem Netz fallen‹ — ein Fall, vor dem wir seit Jahren warnen.
Gerade solche Knoten müssen jetzt kurzfristig ersetzt werden.
Die Zwei-Release-Regel gibt dafür bewusst Zeit. Sie setzt aber der Nutzbarkeit von 4/32- und 8/64-Geräten nun auch ein unumkehrbares Enddatum: spätestens mit Gluon v2027.1 fallen alle Knoten, die auf einer Firmware älter als Gluon v2023.2 basieren, aus den Funkmeshes! Da wir Gluon v2023.2 nicht ausgerollt haben, gilt dies bei uns schon für alle Knoten, die kein Update mehr auf Firmware 2.1/Gluon v2025.1 bekommen haben bzw. werden.

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