Mit diesem Beitrag möchten wir Euch über eine wichtige Änderung im Freifunknetzwerk informieren, die voraussichtlich Mitte 2027 in Kraft tritt.
Irgendwann ab Mitte 2027 wird nach aktuellem Stand die Firmware Gluon v2027.1 auf Basis von OpenWrt 25.12 oder neuer veröffentlicht — bei uns wird sie als Firmware 2.5.x bezeichnet werden. Damit endet die Kompatibilität mit einer Reihe von Geräten, die bisher Teil unseres Mesh-Netzwerks waren. Betroffen sind insbesondere früher beliebte Modelle wie TP-Link WR841 (in nahezu allen Versionen) oder CPE210, aber auch andere Router ohne aktuelle Firmewareunterstützung.
Betroffene Geräte
Betroffene Knoten sind heute schon mit dem Anhängsel »-EOL« markiert; die Auflistung der beroffenen Geräte geschah schon mehrfach, auf eine Wiederholung wird daher verzichtet.
Welche Auswirkungen hat das?
Für Nutzerinnen und Nutzer dieser Geräte bedeutet das, dass ihre Knoten nach dem Upgrade anderer Knoten auf Firmware 2.5.x nicht mehr Teil des Freifunk-Meshs sein können. Plain and simple — diese Knoten verschwinden einfach aus dem Mesh, und wenn sie keinen WAN-Uplink haben, verlieren sie komplett die Verbindung zu Freifunk.
Was kann man tun?
Wir verstehen, dass diese Änderung für viele Nutzerinnen und Nutzer eine Herausforderung darstellt – sie ist allerdings seit vielen Jahren absehbar, und, ganz ehrlich, nach 10 Jahren darf eine konkrete Hardware auch einfach mal zu alt für alles sein. Klar, wenn die finanziellen Mittel für ein Hardware-Upgrade begrenzt sind, ist das doof. Aber: es gibt eben dieses Mal keinen Weg mehr, wie Eure Knoten auch nach Mitte 2027 weiterhin Teil des Freifunk-Netzwerks bleiben können. Das Ende der Fahnenstange, ja, das Ende des Weges ist für diese Geräte erreicht.
Nach 5+ Jahren der Warnung darf das aber auch niemanden mehr überraschen.
Der einfachste und sicherste Weg ist der Wechsel zu einem unterstützten Gerät. Wir haben eine Liste von empfohlenen Routern zusammengestellt …
Warum werden diese Geräte nicht mehr unterstützt?
Ab Gluon v2026.1 wird auf OpenWrt 25.12 aktualisiert. Damit ändern sich unter anderem zentrale Bestandteile des WLAN-Stacks und der Paketverwaltung.
Die Änderung betrifft zudem die Art und Weise, wie WLAN-Basisraten im Mesh verwendet und in den WLAN-Beacons angekündigt werden. Hier sind übergangsweise verschiedene Anpassungen und Patches notwendig, die Gluon für die Kompatibilität mit älteren WLAN-Treibern und Geräten benötigt, um inkompatible Änderungen in OpenWrt zu kompensieren. Diese werden aber nur noch übergangsweise von den Gluon-Maintainern gepflegt werden.
Die geplante Kompatibilitätsentwicklung lässt sich vereinfacht so zusammenfassen:
| Gluon-Basis / Firmware-Version 4830.org | Kompatibilität |
|---|---|
| bis einschließlich v2023.2.x / 1.9.x | ältere Generationen |
| v2025.1.x / 2.1.x | Übergangsversion mit Rückwärtskompatibilität |
| v2026.1.x / 2.2.x | Übergang zwischen alten und neuen WLAN-Einstellungen |
| ab v2026.2 beziehungsweise v2027.1 / 2.5.x | neue WLAN-Basisraten, keine Kompatibilität mehr zu sehr alten Versionen |
Der technische Hintergrund: WLAN-Basisraten
Für das Mesh müssen sich die Geräte nicht nur auf SSID, Kanal und Verschlüsselung verständigen. Auch die sogenannten Basic Rates spielen eine wichtige Rolle.
Die Basic Rate legt fest, mit welcher Mindestgeschwindigkeit bestimmte WLAN-Frames übertragen werden. Dazu gehören unter anderem Management- und Broadcast-Frames. Im Freifunk-Mesh betrifft das beispielsweise:
- Beacon-Frames,
- Broadcast-Verkehr,
- Multicast-Verkehr,
- Mesh- und Batman-adv-bezogene Daten.
Ältere Freifunk-Geräte und ältere Gluon-Versionen erwarten teilweise noch eine sehr niedrige Basisrate von 1 Mbit/s, entsprechend dem historischen 802.11b-Modus. Neuere WLAN-Chips und Treiber arbeiten dagegen mit höheren Basisraten.
Um beide Welten miteinander zu verbinden, verwendet Gluon v2025.1 bislang einen Kompatibilitätsmechanismus: Das Gerät kündigt nach außen weiterhin eine niedrige Rate an, verwendet intern aber eine höhere Rate. Neuere Geräte ignorieren dabei die entsprechende Angabe aus dem Beacon.
Dieser Mechanismus ist jedoch ein technischer Workaround. Er muss bei Änderungen an mac80211 und den OpenWrt-WLAN-Skripten gepflegt und getestet werden. Aus Sicht der Gluon-Entwicklung ist es daher mittelfristig sinnvoll, diese Sonderbehandlung zu entfernen.
Warum können alte Geräte danach nicht mehr meshen?
Ab Gluon v2027.1 soll die höhere WLAN-Basisrate nicht mehr durch den bisherigen Kompatibilitätspatch verborgen beziehungsweise ignoriert werden.
Das hat zur Folge:
- Neue Geräte senden Mesh-relevante Frames mit höheren Basisraten.
- Alte Geräte erkennen diese Aussendungen nicht mehr, ›sehen‹ daher Mesh-Nachbarn nicht.
- Ein gemeinsames Mesh zwischen sehr alten und neuen Firmware-Versionen ist dann nicht mehr möglich.
Eine KI würde jetzt formulieren: »Die Geräte werden dadurch nicht automatisch unbrauchbar. Ein TP-Link WR841 kann weiterhin als einfacher Access Point, Router oder möglicherweise in einer getrennten älteren Freifunk-Domäne betrieben werden.«
Ja, genau, und wer zu schnell läuft, kann sich auch eine Frikadelle ans Bein nageln statt langsamer zu machen: Es gibt auch von OpenWrt seit über 5 Jahren keine Sicherheitsupdater mehr für diese Geräte — Recycling über den Wertstoffhof ist die sinnvollste Zukunft für diesen Elektroschrott. Sorry, not sorry.
Was bedeutet das für bestehende Freifunknetze?
Solange nur Gluon-Versionen bis einschließlich v2025.1 eingesetzt werden, bleibt die bisherige Übergangskompatibilität erhalten. Der Wechsel auf neuere Versionen sollte jedoch geplant erfolgen, da sehr alte und aktuelle Geräte danach nicht mehr gemeinsam funken können.
Werden neue Geräte mit Gluon v2027.1 in ein bestehendes Netz aufgenommen, können sie alte Knoten nicht mehr erreichen — und umgekehrt.
Was sollten Betreiberinnen und Betreiber jetzt tun?
Die Änderung betrifft eine zukünftige Gluon-Version und ist Teil der laufenden Entwicklung. Derzeit schon veraltete Geräte funktionieren bei deren Einführung dann aber nicht plötzlich nicht mehr.
Daher empfehlen wir:
- neue Hardware nicht nach dem niedrigsten Anschaffungspreis auszuwählen, also bei neuen Geräten auf ausreichend Flash und RAM zu achten
- für betroffene Geräte – mindestens alle mit ›-EOL‹-Suffix am Knotennamen – mit dem Gedanken anzufreunden, daß hier neue Hardware beschafft werden muß
- insbesondere in lokalen Funk-Meshes zu prüfen, daß dort keine ›.EOL‹-Geräte mitfunken bzw. diese bevorzugt jetzt zu tauschen — es ist noch ein rundes Jahr Zeit …
Für neue Anschaffungen sollten Geräte mit mindestens 16 MB, besser 32 MB oder mehr, Flash und 128 MB RAM – je nach Funkbändern und -Chips auch deutlich mehr – bevorzugt werden. Nur so besteht eine realistische Chance, dass sie auch von kommenden Gluon- und OpenWrt-Versionen noch unterstützt werden.

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