Neuer Einsatz für alte Freifunk-Knoten

Die Kollegen (d/m/w) vom Neanderfunk haben eine Idee aus dem Münsterland aufgegriffen und aufgebrezelt, um bestimmten älteren Freifunk-Knoten eine alternative Nutzungsoption zu eröffnen.

Ausgehend von der Vorarbeit des Freifunkers MPW1412 ist eine OpenWrt-Firmware entstanden, mit der aus geeigneten Routern Empfänger für die OpenTrafficMap werden. Für Geräte, die im Freifunk-Netz mittlerweile eher zum alten Eisen gehören, ist das eine erfreulich konkrete Anschlussverwendung.

Hintergrund: Manche neuere Fahrzeuge senden auf 5,9 GHz kurze Statusmeldungen aus: etwa ihre Position, Fahrtrichtung und Fahrzeuggröße. Empfänger dieser als Car2X bezeichneten Kommunikation sind andere Fahrzeuge und die Verkehrsinfrastruktur — und die interessierte Bevölkerung. Die dabei eingesetzte Funktechnik ITS-G5 ist eine spezielle WLAN-Variante — allerdings außerhalb des regulären WLAN-Frequenzbereichs. Die OpenTrafficMap sammelt solche Meldungen mithilfe freiwillig betriebener Empfangsstationen und stellt die beobachteten Fahrten auf einer Karte dar. Sichtbar wird damit der Verkehr, dessen Funkmeldungen die Stationen tatsächlich erreichen.

Der technische Kniff steckt im alten WLAN-Chip: Bestimmte Atheros-Chipsets lassen sich mit dem OpenWrt-Treiber ath9k für den Empfang auf den benötigten Frequenzen mit 10 MHz breiten Kanälen konfigurieren. Die Firmware betreibt sie dort ausschließlich als Empfänger; eigene Car2X-Meldungen senden die umgerüsteten Router schon aus regulatorischen Gründen nicht.

Nach Angaben der Neanderfunker funktioniert das bereits mit TP-Link TL-WDR3600 und TL-WDR4300, der FRITZ!Box 3390, der TP-Link CPE510 und dem Ubiquiti LiteBeam M5 XW. Für weitere Modelle gibt es Images, deren Praxistest noch aussteht. Vor dem Flashen lohnt deshalb ein genauer Blick auf Modell und Hardwareversion. Ein beliebiger alter WLAN-Router tut es nicht und insbesondere reine 2,4-GHz-Geräte scheiden aus — schade, aber für die vor 10+ Jahren sehr angesagten TL-Link WR841 gibt es auch hier keinen dritten Frühling.

Der Betrieb ist auf wenig Handarbeit ausgelegt: Nach dem Aufspielen der passenden Firmware bezieht das Gerät seine Netzwerkadresse per DHCP über einen der Netzwerkanschlüsse — nach wenigen Minuten ohne IP-Adresse per LAN versucht die Firmware über ein ggf. vorhandenes 2,4-GHz-Radio – wie z B. bei den WDR3600 oder WDR4300 – sich in ein Freifunk-WLAN in der Nähe einzuloggen.

Die empfangenen Meldungen gelangen durch einen verschlüsselten Tunnel zu einem Neanderfunk-Server, der sie wiederum verschlüsselt an die OpenTrafficMap weiterreicht. Das spart auf den knappen Flash-Speichern der Router Platz für TLS-Komponenten und Zertifikate. Ein Autoupdater kann neue, signierte Firmware einspielen.

Wie so ein Empfangsstandort aussehen kann, zeigt der Aufbau auf dem WIR-Haus in Wülfrath. Dort arbeitet allerdings ein ESP32-C5 mit zusätzlicher Ethernet-Platine und Stromversorgung über das Netzwerkkabel. Von einer alten CPE210 stammt das Gehäuse. Die Router-Firmware geht beim Wiederverwenden also noch einen Schritt weiter: Bei geeigneten Geräten bleibt auch die vorhandene Elektronik im Einsatz.

Wer mitmachen möchte, braucht neben passender Hardware vor allem einen Standort mit möglichst freiem Blick auf eine Straße. Schon Büsche können den Empfang deutlich beeinträchtigen. Empfangsstatistiken und eine Heatmap bietet Neanderfunk unter otm.ffnef.de. Die Projektvorstellung und die Anleitung auf GitHub liefern die weiteren Informationen.

Der 4830.org e. V. unterstützt das Projekt und nimmt gerne passende Gerätespenden entgegen; wir können dabei auch ein Hardwareupgrade anbieten (EX400). Bei Interesse bitte eine Mail an uns senden.